Grenzerfahrung im Thüringer Wald - Svenja läuft 100 km beim Thüringer Ultra
Es ist die Königsdisziplin des Laufsports: der Ultralauf. Am vergangenen Wochenende (04.07.2026) stellte sich Svenja vom RunArtist aus Holzminden einer extremen Herausforderung und feierte beim legendären „Thüringer 100“ ein emotionales und erfolgreiches Debüt auf der 100-Kilometer-Distanz. Nach über einem Jahr intensiver, gezielter Vorbereitung unter den Augen von Trainer Jan Kaschura, wurde der Traum von der dreistelligen Kilometer-Distanz Wirklichkeit.
Respekt vor der unbekannten Distanz
Die nackten Zahlen des Laufs flößten bereits im Vorfeld gehörigen Respekt ein: 100 Kilometer Wegstrecke gespickt mit rund 2.100 harten Höhenmetern. Während die Höhenmeter auf kürzeren Strecken erprobt waren, bedeutete die Gesamtdistanz für Svenja absolutes Neuland. Nach einem stimmungsvollen Beisammensein aller Athleten am Vorabend bei der traditionellen Nudelparty, hieß es früh schlafen gehen – denn der Startschuss war auf 04:00 Uhr morgens angesetzt.
Bei optimalen Lauftemperaturen von 11 Grad setzten sich rund 250 Extremsportler im Morgengrauen in Bewegung. Entgegen der Vermutung, die Strecke würde vor allem über breite Waldautobahnen führen, entpuppte sich der Thüringer Wald als anspruchsvolles Terrain: Wurzelige Passagen, steinige Downhills und knackige Anstiege forderten von Beginn an vollste Konzentration.
Die erste Hälfte nach Plan – der Einbruch auf den letzten 30 Kilometern
Die erste Hälfte des Rennens verlief vielversprechend. In einer guten „Reisegeschwindigkeit“ und bei motivierenden Gesprächen mit Mitstreitern wurden die ersten 50 Kilometer – die zudem den Großteil der Höhenmeter beinhalteten – erfolgreich absolviert. Doch ein Ultralauf beginnt bekanntlich erst ab der Hälfte.
Auf den folgenden Kilometern forderte die Distanz ihren Tribut. Die Beine wurden schwerer, vermeintlich leichte Anstiege wirkten wie unbezwingbare Berge und jeder technische Abstieg wurde zur mentalen Zerreißprobe. Obwohl die Temperaturen mit 24 Grad moderat blieben, drückte die Sonne auf den asphaltierten Freiflächen gnadenlos. Die Cut-Off-Zeiten an den Kontrollpunkten wurden stets mit einem soliden Zeitpolster unterboten, zwangen Svenja auf den letzten 30 Kilometern jedoch dazu, das Tempo zu drosseln und weite Teile zu gehen.
Große Unterstützung an der Strecke
In dieser Phase entwickelte sich das Rennen zu einem reinen Kampf des Willens. Jeder Schritt nach vorn, von Baum zu Baum, von Verpflegungsstation zu Station, war eine mentale Höchstleistung. Motivierende Nachrichten von Freunden auf dem Smartphone und die Aussicht auf eine erlaubte Radbegleitung für die letzten 20 Kilometer hielten den Fokus aufrecht.
Besonders hervorzuheben war die Herzlichkeit der Region: Engagierte Helfer an den Stationen bauten die Athleten immer wieder auf, und Anwohner in den Wohngebieten stellten spontan Wasserwannen zur Abkühlung bereit – eine Wohltat für Körper und Geist.
Emotionaler Zieleinlauf nach über 15 Stunden
Vier Kilometer vor dem Ziel kam die zweite Luft: Die allerletzten Reserven wurden mobilisiert und Svenja wechselte noch einmal in den Laufschritt. Nach einem großen Kampf gegen den eigenen Körper überquerte sie nach 15 Stunden und 23 Minuten erschöpft, aber überglücklich die Ziellinie.
„Mindestens dreimal habe ich unterwegs gezweifelt, ob ich überhaupt ankomme. Dieser Lauf hat mich auf einem ganz neuen Level abgeholt und herausgefordert“, zog der Svenja im Ziel Bilanz. Am Ende zeigte sich wieder einmal die Faszination des Ultralaufs: Es geht nicht um die Zeit oder den perfekten Plan. Es geht darum, sich den eigenen Herausforderungen zu stellen und niemals aufzugeben – ein Triumph des Willens im Thüringer Wald. Auch wenn die Platzierung diesmal unwichtig war, Svenja belegte den dritten Platz in ihrer Altersklasse.
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